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Die Mentalität und Mundart des Mannheimers
Die Mentalität und die
Mundart sind sehr stark verwandt mit dem der Pfälzer. Es besteht
allerdings ein bedeutender Unterschied zwischen dem Kurpfälzer und dem
Pfälzer. Der Kurpfälzer gilt als kultivierter und weltoffener als der
Pfälzer.
Einen Mannheimer als plumpen Pfälzer zu titulieren ist für ihn eine
grosse Beleidigung.
Nun zu seinen Wesenszügen:
Der Mannheimer gilt als lebhaftig, sowohl im Ton als auch in der
Gebärde. Nicht umsonst spricht man dabei vom „Kurpfälzer Krischer“.
Seine häufig aufbrausende Natur verleitet ihn oft zu wortlauten
Diskussionen und verletzenden Sticheleien. Man darf diese Worte jedoch
nicht zu ernst nehmen, die Mannheimer sagen sich oft und gerne offen
DIE Meinung um danach genüsslich ein frisches Eichbaum Pilsener zu
trinken.
Der Mannheimer ist weltoffen und teilt seiner Umwelt gerne mit was er
von der Welt hält, Er ist eine frohe Wesensnatur und sehr tolerant
gegenüber fremden Kulturen ( ausgenommen sind hier die plumpen Brüder
aus dem linksrheinischen Hinterwäldern rund um Kaiserslautern).
Leider ist er nicht sehr Kritikempfänglich und neigt auch sehr schnell
dazu Konflikte nonverbal zu lösen.
Der Mannheimer wird als sehr patriotisch beschrieben, fragt man ihn
nach seiner Stadt wird er antworten: die Schönste Stadt der Welt.
Dies ist bestimmt nicht auf dem ersten Blick zu erkennen aber es ist
wohl eher auf die hohe Lebensqualität in dieser Stadt und der Region
zurück zu führen, den wo liegen so viele geografische und kulturelle
Gegensätze so nah beieinander wie in unserer geliebten Stadt bzw.
Region.
So wird bei uns geredd! Der Mannheimer Dialekt
Das Mannemerische ist, auch wenn es zu den Rheinfränkischen bzw.
pfälzischen Mundarten gehört, ein durchaus eigenständiger Dialekt, der
nur im Stadtgebiet gesprochen wird. Bereits in den Vororten wie
Feudenheim, Seckenheim oder Neckarau werden andere Wendungen
gebraucht, spricht man Worte anders aus. Typisch mannemerisch ist das
Füllwort "álla", das in kaum einem Satz fehlt. Es kommt vom
französischen "állez" und dient hier wie dort als Auforderung: Los!
Auf! Es kann aber auch die Bedeutung von "alsdann" haben: "állaa,
machs gud!" Ein alleinstehendes "állaa!" heißt so viel wie: Hab ich's
nicht gesagt! Oft wird ein Satz mit einem "heer!" begonnen. So heißt
es zum Beispiel in Joy Flemings Neckarbrücken-Blues: "Heer, Glennii,
heer mol her!" Häufig wird auch ein "gell?" in die Rede eingeflochten.
Während diese Wendungen jedoch dem Zugereisten nach kurzer Zeit
geläufig sind und ein lautstarkes Állaa!" nicht mehr mit moslemischem
Ritus in Beziehung gesetzt wird, gibt es einige Worte, deren Bedeutung
sich auch dem des Süddeutschen Kundigen ohne Nachfragen nicht
erschlieBt. Oder wer könnte auf Anhieb im ,Boddschamber" (pot de
chambre) das nützliche Nachtgeschirr, in der "Schees" (chaise) den
Kinderwagen, im "Waschlafoor" (lavoir) die Waschschüssel und in der "Buddig"
(boutique) ein baufälliges Haus erkennen? Es ist eine Eigenart des
Mannemerischen, daß es eine Vielzahl von Wörtern aus dem Französischen
aber auch aus dem Jiddischen und Rotwelschen übernommen hat. Der
Einfluß des großen Nachbarn Frankreich wurde durch Einwanderer, die
als Glaubensflüchtlinge nach Mannheim kamen, verstärkt. Der Anteil des
Jiddischen im Mannheimer Wortschatz läßt sich durch die
Handelsbeziehungen erklären sowie durch den Umstand, daß es in
Mannheim nie ein Getto, ein Judenviertel, gab, Juden und. Nichtjuden
ungehindert und offen miteinander umgingen. So lautet z.B. die
mannemerische Variante des Schwäbischen Grußes: "Blos mer de Howwl
aus!"-wobei damit nicht das Schreinerwerkzeug gemeint ist; sondern ein
bestimmter Teil des Allerwertesten (jiddisch: hoibel). Das Rotwelsch,
eine Tarnsprache der Fahrenden, kam durch Vaganten, Matrosen und
Markthändler in die Stadt, die sich in ihren cochemer bayes (heute
"Beizen"), vor der Polizei, der "Schmier", sicheren Wirtschaften wie
dem "Hirschen" oder "Der weißen Lilie", in Mannheim trafen.
Kleines Mannheimer Lexikon
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schänne |
schelten, schimpfen |
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redde, babble, schwätzen |
sprechen |
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laafe |
gehen |
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kaseggere |
rennen |
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haile, plärre |
weinen |
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kreische |
schreien |
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krabble |
langsam kriechen |
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zowwle |
zupfen (z.B. andauerndes Zupfen am Haar) |
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rumkischdle |
zielloses herumfahren, herummachen |
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Schbääbrenner |
Geizhals (einer der so arm ist, daß er Späne brennen muß) |
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Dackl |
Dummkopf |
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Tranfunzel |
Langweiler |
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Doos |
Dose |
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Dus |
historische Bezeichnung für Schnupftabakdose |
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ab wie em Babbe sei Dus (Dus=Schnupftabaksdose),
hi(n) wie e Rieb,
gschlage wie en Brezelbu,
ab wie en Schick (=Stück Kautabak) |
erschöpft sein |
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der weeß nit wie des is, wann mer ääns gern hot |
er weiß nicht, wie die Liebe tut |
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for die Schbeiermer Gäns,
Wasser in de Rhei getrache |
etwas umsonst tun |
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dem is was iwwers Newwele gekrawwelt |
der ist schlecht gelaunt |
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vun eme Aff gebisse,
hot en Sparre |
sich seltsam gebärden |
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Quasseldutt,
hot Babbelwasser gesoffe,
babbelt em Daisl e Ohr weg un widder hi(n) |
jemand, der zuviel redet |
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ritzerot, blitzebloo |
sehr rot, sehr blau |
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puddlnackisch |
wie ein geschorener Pudel |
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die kränk krigge,
kabud gehe |
wenn etwas verdirbt (z.B. Nahrungsmittel) |
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en zuener Waache |
ein geschlossener Wagen |
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en dreiviertelser Schlaach |
drei viertel von einem Rausch |
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en dorchener Kees |
ein reifer Käse |
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de Frack versohle, vermeewle, verwesche,
´s Fell gerwe, die Zäh(n) boliere uff |
schlagen |
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e Bierglas gesehe, en Horwl, en Balle, en Uff,
en Schbritzer, ään Hocke |
Rausch, betrunken |
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Hossebember, Borzer, Knibbes, Knebbes, Kneggers, Schbodderknoddl,
Krambe, Knorze, Krutze, Bankert |
Bub, Junge |
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Feger, Wescher |
mutiger Bub |
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Keeskuche, Keesbu, Hosseschisser, Mammekindl |
feiger Bub |
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Krattel |
Stolz |
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Maulrassl |
Zahnreihe |
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besse |
keifen, frech widersprechen |
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Ducke |
hinterhältiger Streich |
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dormle |
schwanken |
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Dorml |
Schwächling |
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olwer |
ungehobelt, grob |
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Ribbestecher |
Leute, die Zigarrenstummel von der Straße aufstechen
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Kibbes |
Streit |
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Buwekipp |
Rotte, Schar |
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Kuttel |
Eingeweide |
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Gruuscht |
alter Krempel |
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Gfrees |
Plunder |
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schneege |
naschhaft sein |
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Loddl |
liederlicher Mensch |
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Krannstrauwe |
Johannisbeere |
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Quetsch |
Zwetschge |
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Grumbiere, Ebbiere |
Kartoffel |
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Geehunger |
plötzlich auftretende Hunger |
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hickle |
auf einem Bein hüpfen |
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schdumbe |
stoßen |
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Dunzl |
Mädchen |
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Bajas |
Hanswurst |
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Maleschde |
Schwierigkeiten |
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Grusselbeere |
Stachelbeeren |
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Boddschamber |
Nachttopf |
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Boddschees |
Sänfte |
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Schees |
Kinderwagen; Auto |
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rumscheese |
herumlaufen |
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Scheesegaul |
lahmes Pferd |
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Funkeschees |
Straßenbahn |
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Pableh, Scherm |
Regenschirm |
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Schbauz |
Kleinigkeit |
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Schlibbl |
harmlose kleine Schleife |
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e Schlibbche |
ein nicht harmloses Mädchen |
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Bussierlabbe |
manns- bzw. mädchentolle Person |
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Bussierlebbel |
Ziertaschentusch |
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Bobbele, Bebbele |
Kleinkind |
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Bebbche |
zierliches Mädchen |
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Schnebberle |
Plappermäulchen |
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Buddig |
baufälliges Haus |
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Waschlafoor |
Waschschüssel |
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schnuddlich |
ungenau |
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wusslich |
zappelnd, unruhig |
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Muschl |
Haarschopf |
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kiddern |
kichern |
Mannheimer Geschichten
Zum Schluß noch zwei kleine Proben zur Mannemer Sprooch:
Ein Geschichtchen vom "Finkekaal", einem Mannheimer Original, und ein
nettes Kinderlied in Mundart.
De Finkekaal
"De Finkekaal hodemol vagnagst wärre solle, weiler en Hammel geglaud
kabt hot. Als en de Richter rädde geloßt hot, do hot de Kaal gsacht:
Allso, Herr Richter, des waa so. Do hot e Schdriggele geleeche un des
hab ich vun de Schdrooß uffkowe un midgenomme. Daß do e Hämmele
drogebunne waa, des hab ich erschda schbeeda gemerkt"
Übersetzung - Der Finkenkarl hat einmal verurteilt werden sollen, weil
er einen Hammel geklaut hatte. Als der Richter ihn reden ließ, hat der
Karl gesagt: Also, Herr Richter, das war so. Dort hat ein Strick
gelegen und den habe ich von der Straße aufgehoben und mitgenommen.
Daß da ein Hammel drangebunden war, das habe ich erst später gemerkt.
Mannem
In Mannem is ´s gemiedlich,
Do fahrt ma mid de Schees.
De äände Gaul, der sieht niz,
De annere is nervees.
De Kutscher, der is bucklich,
Die Reeder, die sin krumm,
Un alle simbs Minudde
Do fliegt der Karrich um.
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