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„Waldhof das sind wir“
Die Fanszene des SV Waldhof Mannheim 07
Nach einem Tief in den 70 er Jahren begann die Fanszene des SV Waldhof
Mannheim 07 in den 80 er Jahren interessant zu werden. Durch gute
Ergebnisse in den Jahren 1980 bis 1982 in Liga 2 und der aufkommenden
Euphorie der „Waldhof Buben“, explodierte die Fanszene im Aufstiegsjahr
1983 regelrecht. Mit dem Aufstieg in Liga 1 und dem Umzug ins benachbarte
Südwest Stadion Ludwigshafen war gerade die Vorderpfalz von Speyer über
Ludwigshafen bis nach Frankenthal und Worms zum Einzugsgebiet des SV
Waldhof Mannheim geworden.
Und so begann am 13. August 1983 für den SV Waldhof und seine Fans eine
neue Ära. 42000 Zuschauer kamen zum 1.Bundesliga-Spiel gegen Vizemeister
Werder Bremen. Die Fanszene konnte bei Heimspielen zu diesem Zeitpunkt
locker mit den meisten aus der obersten Spielklasse mithalten. Durch die
Aufstiegseuphorie kamen im 1. Jahr im Durchschnitt 26000 Zuschauer. Gleich
am 2. Spieltag der ersten Bundesligasaison entstand die Freundschaft zu
den Fans von Eintracht Braunschweig (mehr dazu unter der Freundschaft SVW-BTSV). Gleichzeitig wurde mit den Fans vom 1. FC Kaiserslautern eine
Art "Todfeindschaft" begründet.
Die Hauptgründe für diese Feindschaft lagen wohl darin, dass der FCK um
alles in der Welt einen SV Waldhof Mannheim im Südweststadion Ludwigshafen
verhindern wollte. Ein weiterer Grund lag wohl in der räumlichen
Überschneidung der Fananlager . Seit dem Aufstieg in Liga 1 musste man
sich gerade in der Vorderpfalz entscheiden, blau-schwarz oder rot weiss.
Die Derbies gg. Kaiserslautern wurden somit zu einer brisanten
Angelegenheit nicht nur auf dem Fussballplatz. Auch auf den etlichen Wein
und Strassenfesten der Region wurden die Nettigkeiten ausgetauscht. Die
bekanntesten Fanclubs zu dieser Zeit waren "Blau-Schwarz", "Alsenweg", "The
Firm Mannheim 1982" und Reichsadler '81", zu diesem Zeitpunkt der älteste
Anhängerclub. Trotzdem war die Szene relativ unorganisiert. Fanbetreuer
oder große Fangemeinschaften gab es nicht. Man kannte sich unter einander,
allerdings ging jeder seinen eigenen Weg.
Im Jahr 2 in der Eliteklasse nahm der SV Waldhof Anlauf auf den UEFA-Cup,
der am Ende wegen einem Tor verpasst wurde. 2000 Waldhof-Fans waren am
letzten Spieltag 1984/85 der Schlappner Elf nach Leverkusen gefolgt und
erlebten eine schmerzhafte 2:1-Niederlage. Trotzdem war der
Heimspielschnitt auf 15000 Besucher geschrumpft.
In der Saison 1985/86 war dann der SV Waldhof erstmals live im Fernsehen.
Allerdings ging das DFB-Pokal-Halbfinale gegen Bayern München 0:2 vor
40000 Zuschauern verloren. Von da an ging es sowohl mit dem SVW, als auch
mit der Fansszene abwärts.
Manches Spiel wurde in der Runde 1986/87 vor gerade mal 6000 Anwesenden
besucht. Fans gab es zu dieser Zeit fast keine mehr. Man orientierte sich
dabei an der allgemeinen Situation in den Bundesliga Stadien, denn fast
überall im Deutschen Fußball war ein wahres Fansterben angesagt.
Eine andere Art des Fandaseins grassierte seit 1985 auch in Mannheim.
Modebewusste Hooligans die es ablehnten Fanutensilien zu tragen und
stattdessen lieber in Chevignon, Iceberg, Blue System und anderen
Nobelklamotten auftraten.
Einer der bekanntesten und größten Gruppe waren die City Boys Mannheim.
In den folgenden Jahren vielen die Fans des SV Waldhof Mannheim gerade
durch Aktionen dieser Gruppierung auch ausserhalb des Sportplatzes auf.
Zuguterletzt versuchte der Verein wieder in Mannheim zu spielen, nachdem
das Südweststadion immer unattraktiver wurde. Die Fans sammelten
Unterschriften, nur die Stadt Mannheim machte nicht mit. Ein Antrag auf
den Umbau des alten Rhein-Neckar-Stadions wurde (zunächst) abgelehnt.
Der Vater des Wunders Waldhof wurde am Ende der Saison entlassen und
heuerte beim SV Darmstadt 98 an, ein schwerer Schlag für viele treue
Waldhof Anhänger.
Im Jahr darauf kämpfte der SV Waldhof erstmals gegen den Abstieg, der
durch 3 Relegationsspiele gegen Darmstadt 98 (wie das Schicksal so spielt
gegen den EX Trainer Klaus Schlappner ) gerade noch so verhindert werden
konnte.

2:3, 2:1 und 5:4 nach Elfmeterschießen (3.Spiel in Saarbrücken)
hießen die Ergebnisse. Und Auch die Fanszene schien sich zu erholen und es
bildete sich wieder eine Art "Harter Kern". Trotzdem blieben Spiele wie
z.B. in Schalke von Waldhof-Fans nahezu unbesucht.
Die City-Boys hingegen pflegten eine kurzzeitige Freundschaft mit den
Sturmtruppen aus Mönchengladbach.
Es begann mit der Saison 1988/89 die letzte Spielzeit in Ludwigshafen,
nachdem der Mannheimer Stadtrat unter schärfsten Auflagen, die der SVW
später des öfteren zu spüren bekam, inzwischen doch einem Stadion-Umbau in
MA zugestimmt hatte. Der SV Waldhof war zwar zur Hinrunde Tabellenletzter,
nachdem allerdings der unbeliebte Trainer Felix Latzke durch SVW-Urgestein
Günter Sebert ersetzt wurde, kletterte die Mannschaft von Spieltag zu
Spieltag nach oben und setzte sich am Ende deutlich von der Abstiegzone
ab.
Die Fanszene machte auch große Fortschritte, und langsam fanden einzelne
Fangruppen mehr und mehr zusammen. Ein Fanprojekt war inzwischen
eingerichtet; allerdings schien das Ganze eher eine
Arbeitsbeschaffungsmaßnahme der Stadt Mannheim für 2 langzeitarbeitslose
Sozialpädagoginnen zu sein. In der Praxis konnten die beiden netten Damen
keinesfalls weiterhelfen. Im Jahre 1990 war die Finanzierung des
Fanprojekts beendet und die 2 Beteiligten wieder arbeitslos, ohne dass in
den 3 Jahren etwas bewegt wurde. Ein großes Ereignis fiel jedoch in diese
Spielzeit. Bei der Begegnung in Bremen wurden vom Bremer Sponsor 5
Freibusse für SVW-Fans eingesetzt. Am Ende des Tages stand das wahre
Chaos. Eine stattliche Anzahl der Waldhöfer Fans/Hools übernachtete in
Bremer Zellen.

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Bei der Rückfahrt plünderten die Nicht-Inhaftierten in der
Raststätte Wildeshausen eine Tankstelle. Wieder wurden einige
festgenommen, so dass nur etwa 2 Drittel wieder am gleichen Tag nach
Mannheim zurück kamen. Komischerweise gab dieser Tag vielen SVW Anhängern
eine Art "Zusammengehörigkeitsgefühl", das sich in der Zeit danach mehr
und mehr festigte. Am Ende der Saison stand ein Platz im unteren
Mittelfeld und die SVW-Fan-Szene war wieder da.
Die 90iger Jahre
Zurück auf dem Alsenweg, doch auch der Hexenkessel konnte den Abstieg der
Waldhof Buben in die 2. Liga nicht mehr aufhalten. Wie oft war man dem
Gespenst der 2. Liga entkommen aber jetzt war es endgültig, nach einer
tollen Hinrunde mit Uefa Cup Ambitionen kam in der Rückrunde durch eine
starke Verletzungsserie in der Mannschaft der Abstieg.
Natürlich sprach man sofort vom Wiederaufstieg doch nach genau 2 Jahren in
Liga 2 war die blühende Fanszene des SVW am Boden. Einzig und allein die
Hoolszene um die City Boys und The Firm erfreuten sich einer enormen
Anhängerschaft und einem neuen Spielplatz der hieß „neue Bundesländer“.
Im August 1991 wurde dann von den Urgesteinen der SVW Szene,Uwe Kress und
Markus Hettinger die Faninitiative gegründet, die schnellen Zuwachs
erhielt und Mitte 1993 schon 300 Mitglieder zählen durfte. Die Jahre in
der 2. Liga schafften eine neue junge Generation an Fans die dem Mythos
Waldhof verfallen war. Die Stimmung im Hexenkessel Alsenweg war
hervorragend und jeder Torwart hatte Angst in der Heimkurve der Mannheimer
das Tor zu hüten, ein grosser Sicherheitsabstand wurde von jedem Torwart
eingehalten. Die Faninitiative organisierte das Fansein auf dem Waldhof
neu und schaffte es, mit ermässigten Eintrittskarten, Busfahrten, einen
Fanpass und jegliche Art von Parties zu einem Mitgliederstamm von 450
Männer und Frauen.
Ja die Fanszene hatte sich sehr gewandelt in den Jahren, gerade der
Rückzug auf den Waldhof veränderte vieles. Viele Fans gerade aus der
Vorderpfalz kehrten dem SVW spätestens nach dem 1 Jahr 2. Liga den Rücken.
Auch die Freundschaft mit den Fans aus Braunschweig litt sehr darunter.
Gerade die Faninitiative als neue Fanmacht auf dem Waldhof pflegte eher
den Kontakt mit ihren Kameraden aus Freiburg und so kam es, dass die
Freundschaft nur noch von Einzelnen oder der Fraktion der 3. Halbzeit
gepflegt wurde.
Gerade die ersten Jahre der 90iger waren sehr stark geprägt von der
Hooliganszene in Mannheim. An manchen Spieltagen versammelten sich mehrere
hundert Jugendliche an der Waldhof Vereinskneipe vor dem Stadion um die
gegnerischen Gruppen das Fürchten zu lehren. In der ganzen Stadt war der
Name City Boys ein Begriff und auch außerhalb der Spiele kam es so zu
Konfrontationen mit anders denkenden Jugendlichen.
Nach vielen Jahren des Streitens auf kommunalpolitischer Ebene kam es zum
Neubau des Carl Benz Stadions und dem 3. Umzug der Fanszene im Februar
1994. Leider hatte die Polizei und die Neuostheimer Bürger den längeren
Hebel und so mussten die Fans des SV Waldhof Mannheim mit den Ecken des
Carl Benz Stadions vorlieb nehmen. Die Stehplatzblöcke wurden getrennt um
den Lärmpegel in Grenzen zu halten und der neue Fanblock des Harten Kerns
war nun der Block H in der Süd-Ost Kurve. nach einer durchwachsenden
Saison 93/94 kam in der Saison 94/95 mit dem Trainer Uli Stielike eine
neue Euphoriewelle. Volle Blöcke und eine tolle Atmosphäre brachten gerade
sehr viele junge Leute ins Carl Benz Stadion und gerade diese Saison
schaffte es die SVW Fanszene in neue höhere Ebenen zu katapultieren. Neue
Fanclubs wurden gegründet und es sollte der bis jetzt letzte große
Fanzuwachs sein. Im Jahre 1997 kam dann das Unfassbare, nachdem man 7
Jahre um den Aufstieg in die 1. Liga kämpfte und nun seinen Erzfeind
Kaiserslautern in Liga 2 begrüßen konnte kam es zum Abstieg in die
Regionalliga Süd. Wieder ein großer Umbruch, die große Hoolfraktion
wanderte auf die Sitzplätze ab und die Ära der Faninitiative schien nach
dem Abdanken des Duos Hettinger/Kress zu Ende zu gehen. Die vielen jungen
Fans, die den Weg 1994 zum SVW fanden, konnten sich nicht mehr mit den
veränderten Zielen der Faninitiative identifizieren. Sie orientierten sich
eher an das Rebellentum der City Boys und The Firm und an italienischen
Einflüssen mit viel Rauch und Bengalpulver.
Die 2 Jahre in der Regionalliga standen somit komplett unter dem Motto
Chaos Chaos Chaos. Auch die Freundschaft mit den Braunschweiger Kameraden
lebte wieder auf .Höhepunkt dieser Chaosjahre war wohl der 13.Mai 1999 als
es in Offenbach zum Showdown der Gewalt kam.
Auch zu Hause wurden die ersten Kämpfe um die Vorherrschaft im Carl Benz
Stadion ausgetragen, meistens auf verbaler Ebene suchte man nach einem
neuen Weg den SVW zu supporten. Wie immer wenn jung auf alt trifft gibt es
viel zerbrochenes Geschirr doch am Ende der 90 iger Jahre setzte sich die
junge Fraktion durch und eine neue Ära im Fanlager des SV Waldhof Mannheim
07 begann. Am 01.01.1999 wurden die Ultras Mannheim gegründet.
Mit italienischen Einflüsse wollte man die Kurve neu beleben und man hatte
sich auf die Fahnen geschrieben die großen Risse zwischen den Fans zu
kitten. Durch viele gemeinsame Fahrten und Aktionen schaffte man es sogar
eine Gemeinschaft zu bilden zwischen Hools und Fans so dass man bald von
einer großen geschlossenen Waldhof Gemeinde sprechen konnte.
Wie bei der großen Fahrt nach Bremen schaffte es eine Gewaltorgie wie
Offenbach, dass die Fans näher zusammen rückten.
Im Oktober 1999 nahm auch die Fankoordination ihre Arbeit auf. Ins Leben
gerufen von Fans des SV Waldhof und Vertretern des Vereins wurde die Fanko
eine Organisation von Verein und Fans für die Fans des SVW. Ziel war und
ist es eine Kontaktstelle zwischen Fan und Verein zu sein und die Fanszene
zu strukturieren und organisieren. Es wurde das verwaiste Amt des
Fanbeauftragten wieder besetzt und die Busfahrten sind bis heute eine
gefragte Reisemöglichkeit aller Fans.
Das neue Jahrzehnt brachte einigen Umbruch in der Reihen der Fans, die
Kutte ist fast vollkommen von der Bildfläche verschwunden, der
italienische Einfluss durch die Ultras Mannheim und ihren Choregrafien
hielt Einzug im CBS und die einzigen Farben im Stadion sind natürlich blau
schwarz und gelb blau.
Nach vielen Jahren des sportlichen Leidens kam für den SV Waldhof Mannheim
07 das finanzielle aus. Wie vielen guten Traditionsvereinen hätte auch ihm
der Sturz ins Amateurlager gedroht. Die Stadt und die Firma MVV retteten
das ungeliebte Kind SV Waldhof, indem sie ihm die Hochzeit mit dem
Stadtrivalen VFR Mannheim als letzten Ausweg anbot. Noch steht in den
Sternen was nun geschieht. Es wird wohl einen SVW Mannheim ab der Saison
2003/2004 geben. Ob es dann noch unser Waldhof ist wird sich
herausstellen.
Über die 2 Jahrzehnte hinweg hat die Waldhof Szene einiges mit gemacht und
es war eigentlich nur ein Faktor beständig, die Hooliganszene die den SVW
seit Anfang der 80iger Jahre begleitet hat. Manche Medienvertreter
sprechen schon jetzt von einer Tradition und einem Mythos den der SV
Waldhof verfallen ist. Auch wenn die SVW Szene nie die Masse erreicht hat
wie andere Fanszenen macht gerade die Gemeinschaft und das
gemeinschaftlich Erlebte das gewisse Etwas aus. Jeder in der Region weiß
dass es beim SV Waldhof und seinen Fans nie langweilig wird und der
Adrenalinkick immer eine nette Randerscheinung ist. Den Vorteil den diese
kleine Szene ausmacht ist dass man sich kennt und man für einander
einsteht, und wer einmal diesem Mythos verfallen ist wird schwer wieder
davon los kommen.
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