• Home
  • UM99
  • SV Waldhof 07
  • Mannheim
  • Media
  • Links
  • Kontakt
  •  

    Mannheim

    Am 11. März im Jahre 766 wurde das Fischerdorf Mannenheim erstmals urkundlich im Lorscher Codex erwähnt. Die Grundsteinlegung zur Festung Friedrichsburg erfolgte am 17. März 1606 durch den Kurfürst Friedrich IV. Der Grundriss war in quadratischer Form angelegt, ähnlich einem Schachbrett. Gleichzeitig wurde linksrheinisch die Mannheimer Rheinschanze, ein Brückenkopf zur Absicherung des Rheinübergangs, errichtet (aus dieser entwickelte sich später die Stadt Ludwigshafen). Durch die Verleihung freiheitlicher Privilegien erlangte Mannheim am 24. Januar 1607 Stadtrechte. Es war das endgültige Gründerdatum der Stadt Mannheim.

    In der Folgezeit musste Mannheim mehrere Schicksalsschläge, unter anderem die zweimalige Zerstörung im 30 jährigen Krieg sowie im pfälzischen Erbfolgekrieg 1668, hinnehmen. Sie wurde aber jedes Mal wieder neu aufgebaut und ihre Struktur, die Quadrate sowie die Festung Friedrichsburg, blieben nach jeder Vernichtung erhalten.

    Kurfürst Carl Philipp verlegte am 12. April 1720 seine Residenz von Heidelberg nach Mannheim, woraus sich eine rege Bautätigkeit entwickelte. Er begann damals mit dem Bau des Mannheimer Schlosses, das von seinem Nachfolger Kurfürst Carl Theodor (1742-1789) beendet wurde. Es ist nach Versailles das zweitgrößte Barockschloss Europas. Zusätzlich ließ sich Carl Theodor noch eine Sommerresidenz im nahen Schwetzingen errichten.

    Aus vielen europäischen Städten kamen Künstler, Architekten und Handwerker an den Hofstaat und brachten Mannheim die erste große Blütezeit seiner Geschichte. Nicht nur Künstler, sondern auch die Wissenschaft und die Verwaltung der Kurpfalz prägten das Stadtbild der Residenzstadt erheblich mit.

    Mannheim als Regierungssitz der Kurpfalz wurde so zu einer der wichtigsten Städte der damaligen Zeit. Die Einwohnerzahl stieg auf etwa 25.000 Menschen an. Wichtige zeitgenössische Persönlichkeiten wie Goethe und Lessing hielten sich hier lange Zeit als Gäste des Hofstaates auf und schienen Gefallen an der Stadt an Rhein und Neckar gefunden zu haben. So ließ Goehte in einem Brief an seine Familie verlauten: “Dabey empfehle ich euch, ja ich trage es euch auf, zusammen nach Mannheim zu fahren, damit die Mutter eine Stadt sehe, dergleichen sie noch nicht gesehen hat.” Auch Wolfgang Amadeus Mozart besuchte Mannheim desöfteren, das erste Mal 1763. Einmal soll er bei seiner Rückkehr nach Mannheim geschrieben haben: „Gott Lob und Dank, dass ich wieder in meinem lieben Mannheim bin. Ich versichere, wenn Sie hier wären, würden Sie das nämliche sagen. Ich habe noch, so lange ich hier bin, nicht zu Hause gespeist, denn es ist recht das Geriss um mich; mit einem Wort, wie ich Mannheim liebe, so liebt auch Mannheim mich!“ Die Residenzstadt der Kurpfalz war weit über die Grenzen als Wissenschafts- und Kulturmetropole bekannt. So fand beispielsweise die Uraufführung von Schillers weltberühmten „Räubern“ im Mannheimer Nationaltheater statt, welches bis zur Zerstörung im 2. Weltkrieg noch im Quadrat B2 stand.

    Durch Erbgang war 1777 dem Kurfürsten Carl Theodor Kurbayern zugefallen. Der Wittelsbacher Vertrag verpflichtete ihn, seinen Hofstaat nach München zu verlegen. Das hatte die Abwanderung des Adels, der Beamten und Künstler zur Folge und damit das Ende der „ersten goldenen Ära Mannheims“.

    Die dritte Zerstörung Mannheims im Jahre 1795 im französischen Koalitionskrieg führte nicht nur zur Schleifung der Festungsanlage beim Wiederaufbau, sondern auch in Folge des Friedensvertrages zur Zerschlagung der Kurpfalz. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 fielen die linksrheinischen Gebiete der Kurpfalz an Frankreich und die rechtsrheinischen Gebiete, und somit auch Mannheim, an das Herzogtum Baden. Die Stadt Mannheim entwickelte sich daher in den nächsten Jahrzehnten zu einer eher unbedeutenden badischen Grenzstadt.

    Erst um 1830 herrschte wieder reges Treiben und Optimismus in der Stadt. Sie entwickelte sich zu einem Zentrum des Handels und Gewerbes. Gerade die Schifffahrt gewann in dieser Zeit erheblich an Bedeutung und Mannheim mit seinen geografischen Vorteilen, bedingt durch die Lage an gleich zwei Flüssen, blühte auf und erlebte so seine zweite große Glanzzeit. In dieser Zeit, genauer 1849/1850, war Mannheim ebenfalls eines der politischen Zentren der Revolution.

    Ein ereignisreiches Datum für Mannheim und die Zukunft der Mobilität war der 29. Januar 1886. An diesem Tag meldete Carl Benz beim Reichspartentamt das Patent für den ersten Motorwagen der Welt an, den er in seiner Werkstatt im Quadrat T6 entwickelt hatte. Das erste Automobil hatte seinen Ursprung in Mannheim.

    Der Wandel hin zu einer bedeutenden Hafen- und Bahnstadt brachte erhebliche Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur Mannheims mit sich. Eine große Arbeiterschicht folgte dem Ruf der Stadt. So wuchs bis 1900 die Bevölkerung auf ca. 150.000 an und die Stadtteile Neckarstadt, Lindenhof, Almenhof, Schwetzinger Stadt und Oststadt kamen hinzu. 1889 wurde das Wahrzeichen von Mannheim erbaut, der Wasserturm. In den Jahren 1897 bis 1907 entstand der Industriehafen und die Schwerindustrie siedelte gerade in den neu gegründeten Stadtteilen im Norden (Waldhof und Sandhofen) bzw. im Süden der Stadt (Neckarau und Rheinau) an. Das Jahr 1907 war nicht nur wegen der Gründung des SV Waldhof ein besonderes für die Stadt Mannheim. Zur Feier des 300jährigen Stadtjubiläums entstand zudem rund um den Friedrichsplatz die schönste Anlage unserer Stadt.

    Während des Zweiten Weltkriegs stieg die Einwohnerzahl bis auf 250.000 Menschen an. Mannheim wurde zum vierten Mal in seiner Gesschichte zerstört und zählte zu den Städten mit den größten Kriegsschäden überhaupt. Die erwähnte angesiedelte Schwerindustrie hatte zur Folge, dass Mannheim ganz besonders ins Fadenkreuz der Aliierten geriet. Über 150 Luftangriffe ließen so gut wie nichts von ihr übrig. Obwohl einige der wichtigsten Bauten wieder nach historischem Vorbild aufgebaut werden konnten, hat Mannheim diese vierte schwere Zerstörung architektonisch nie richtig verkraftet. Zu vieles, was diese Stadt einst zu einer der schönsten machte, ist für immer verloren.

    Wie bei den drei Zerstörungen zuvor wurde auch dieses Mal beim Wiederaufbau die Innenstadt wieder in Quadrate gefasst und somit die Tradition der Quadratestadt weitergeführt. Vom Schloss ausgehend teilt die Breite Straße (offiziell Kurpfalzstraße) die Stadt auf der linken Seite in die Quadrate A bis K und auf der rechten Seite von L bis U. Die einzelnen Quadrate sind weiter in Ziffern unterteilt, aufsteigend von der Breiten Straße in Richtung Ring. Die Anschrift eines Hauses im Quadrat U5 mit der Hausnummer 3 lautet also U5, 3.

    Nach dem Krieg kam der Gedanke auf, die rechts- und linksrheinischen Gebiete der ehemaligen Kurpfalz wieder zusammenzulegen, doch der Rhein erwies sich leider als eine unüberwindbare politische Grenze. Während im Südwesten zwischen Schwaben und Badenern ein Streit darüber entbrannte, ob sie sich zusammenschließen sollten, standen die Mannheimer und anderen rechtsrheinischen Kurpfälzer quasi vor der Wahl zwischen Pest oder Cholera. Wohlwissend, dass sie ihre eigentliche Heimatregion nicht zurück bekommen würden, mussten sie sich entscheiden, ob sie in Zukunft auf dem Papier zu Baden gehören wollten oder zu einem neuen Bundesland namens Baden-Württemberg. Da wirtschaftlich sinnvoller, stimmte die Mehrheit der Mannheimer Bürger bei einer Volksabstimmung am 09.12.1951 für die große Lösung. Identifizieren können sich aber bis heute nur Wenige mit diesem Bundesland. Umso größer ist die Identifikation der Mannheimer mit ihrer Heimatstadt.

    Das Gebiet der historischen Kurpfalz teilt sich heute zwar formal auf drei Bundesländer auf (weshalb es auch Rhein-Neckar-Dreieck gennant wird), im Alltag werden diese Ländergrenzen aber nur selten als solche wahrgenommen. Vielmehr zeichnen sich die Städte und Gemeinden im Delta durch eine intensive, länderübergreifende Kooperation aus, welche 2005 sogar in einem Staatsvertag zur regionalen Zusammenarbeit zwischen den drei Bundesländern mündete. Auch das zeigt, dass die gemeinsame Geschichte sowie die gemeinsamen sozio-ökonomischen, sprachlichen und kulturellen Wurzeln unserer Region, allen politisch gezogenen Grenzen zum Trotz, immernoch ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl erzeugen.

    Mannheim ist heute als Zentrum des Rhein-Neckar-Dreiecks ein wichtiger Handels-, Produktions und Dienstleistungsstandort. Die Einwohnerzahl liegt bei etwa 300.000. Zahlreiche große (Industrie-)Unternehmen sowie die Funktion als wichtiger Verkehrsknoten (zweitgrößter Binnenhafen Europas, einer der größten Rangierbahnhöfe Europas, zweitgrößter Bahnverkehrsknoten Südwestdeutschlands) prägen das Bild der Stadt. Obwohl Mannheim auch in Sachen Wissenschaft und Kultur einiges zu bieten hat, dominiert in den Köpfen der Menschen zumeist immernoch das Bild einer Industrie- und Arbeiterstadt. Und das nicht ganz zu unrecht. Denn die „klassische Arbeit“ prägt nicht nur das Stadtbild, sondern auch das Selbstbild vieler Einwohner nach wie vor. Das ist auch der Grund, warum der dem Arbeitermilieu entstammende SV Waldhof in der Bevölkerung deutlich mehr Symphathien besitzt als der bürgerliche Stadtrivale.

    Mannheim ist blau-schwarz-blau!